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Zukunft und Zufall – Die Geworfenheit festhalten

 

„Bilder haben mir immer schon gefallen. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, habe ich weniger Gerüche oder Geschmackserlebnisse als vielmehr Bilder im Kopf. Es sind Fragmente aus meinem Leben, die ich stets vor meinem geistigen Auge abrufen kann, mitunter verschmelzen sie aber auch mit Szenen aus Filmen, die ich gesehen habe.“ Diese Grautone der Erinnerung, dieser Prozess der Vagheit, die Leibniz’schen Wachstafeln, bewegen den Fotografen Dario Lombardi, sie sind der Motor seiner Phantasie, sodass seine Augen, wie er selbst sagt, „Bilder einfangen und erkennen, die irgendwo in mir bereits vorhanden waren“.

 

In meiner Arbeit faszinieren den römischen Künstler vor allem Gesichter und Menschen, die in einem Arrangement aus Farben, Stoffen und Texturen agieren. Der Fotograf stellt dabei die Dynamik der Bewegung in den Mittelpunkt seiner Arbeiten, es ist die Wechselwirkung der gezielten Aktion des Fotomodells mit der beharrlichen, unbeweglichen Architektur und der Landschaft im Hintergrund, die ihn in ihren Bann zieht. Dies alles, diese Spannung, versucht er in einem einzigen Bild festhalten, um auf diese Weise den Betrachter seiner Arbeit dazu anzuregen, das Bild zu betrachten und sich dabei selbst eine Geschichte zu erzählen. Dabei sucht Dario Lombardi stets die Herausforderung, jene komplexen Zusammenhänge darzustellen, die sich durch die zwei konträren Dimensionen der gezielten Bewegung und der zufälligen Hingeworfenheit ergeben. Die Zukunft etwa kann fotografisch und künstlerisch nicht festgehalten werden – wiewohl die italienschen Futuristen gerade dies in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh.’s auf eine bizarre Art und Weise versucht haben – und dennoch ist die Zukunft immer schon mit dabei und in ihrer Projektion spürbar „an-wesend“ – denn die Zukunft verspricht neue Bilder, neue Herausforderungen und neue Wege, der Phantasie Ausdruck zu verleihen. So ist Dario Lombardi in seiner fotografischen Auseinandersetzung mit dem Menschen und dessen Dynamik im Verstehen der Dimensionen der Zeit und des Raumes darum bemüht, die Geworfenheit, den Zufall und die noch ungeschriebene, aber bereits ihre An-Wesenheit ankündigende Zukunft in einem Bild festzuhalten, das im Augenblick der Entscheidung entsteht und für immer unveränderlich ist.

Haimo Perkmann

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